![]() |
Pilgerbüro Mecklenburg-Vorpommern |
|---|
|
|
Jakobus-Pilgerschaft gestern und heute Die Jakobs-Pilgerschaft, ein gemeinsames europäisches kulturelles Erbe Neben Rom und Jerusalem gehörte Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens im Mittelalter zu den großen Pilgerstätten des Christentums. Pilger aus ganz Europa – zumindest Süd-, West-, Nord- und Mitteleuropa – machten sich auf den Weg zum dortigen Grab des Apostels Jakobus d. Ä.. Eine volkstümliche Jakobusverehrung und ein Jakobuskult waren weit verbreitet. Der Ostseeraum hatte mit Deutschland, Skandinavien, Teilen des heutigen Russlands, den baltischen Staaten und Polen Anteil an dieser Form der Frömmigkeit. In vielen Städten wurden Kirchen und Altäre dem Hl. Jakobus geweiht. Bei der Verbreitung der Jakobusverehrung spielte die Hanse eine besondere Rolle. Aus dem Ostseeraum sind zahlreiche Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela belegt. Zunächst waren es Adelige oder Geistliche, später auch einfache Leute, hauptsächlich Männer, aber auch Frauen, die die lange Reise antraten. Sie nahmen den Landweg zu Fuß oder mit dem Pferd, wählten den Seeweg, wenn sie es sich leisten konnten, oder kombinierten beides. Seit dem 10./11. Jahrhundert entwickelte sich längs der Pilgerwege eine Infrastruktur für fromme Reisende: Unterkünfte, Verpflegung und notfalls auch Pflege in Hospitälern.
Die Motive der
Pilgerschaft waren verschieden: Apostelverehrung am Grab, religiöse
Heilssuche. Es gab Buß- und Strafpilgerfahrten – Letztere auch in
weltlichem Sinne. Es gab auch Delegationspilgerfahrten, hauptsächlich
aufgrund von Testamenten. Manchmal vermischten sich religiöse und
geschäftlich-wirtschaftliche Motive. Die Gefahren, die mit einer
Pilgerfahrt verbunden waren, die Reformation und die Aufklärung trugen
später zu einem starken Rückgang der Jakobspilgerschaft bei. Das galt auch
für den Ostseeraum. Neuzeitliche, ökumenische Jakobus-Pilgerschaft als Wiederbelebung geistlicher Traditionen In den letzten 15 Jahren erfährt die Jakobuspilgerschaft in vielen Ländern eine starke Belebung. Zigtausend Menschen aus Europa und Übersee, Jung und Alt, Katholiken, Protestanten, selbst Atheisten machen sich jedes Jahr zu Fuß oder per Fahrrad auf den Pilgerweg nach Santiago de Compostela (meistens in Etappen im Verlauf mehrerer Jahre) und erleben dabei die Pilgerschaft als Bereicherung und geistlichen Impuls für ihr Leben. Für die einen hat weiterhin das Apostelgrab einen hohen Stellenwert, für andere ist die Jakobus-Pilgerschaft eher Sinnbild einer Pilgerschaft des Lebens. Die Erfahrungen des einzelnen Pilgers mit sich selbst, mit Gott und mit den Menschen auf dem Weg sind dabei zahlreich und vielfältig.
Pilger, aber auch einfache Wanderer können auf dem Jakobsweg etwas finden, von dem sie vielleicht gar nicht wussten, dass sie es gesucht haben: Wer sonst zerstreut und abgelenkt ist, kann hier allein sein und sich innerlich sammeln. Wer sich in einer Sackgasse befindet, erkennt hier neue Perspektiven. Wer sonst unter Lärm leidet, erlebt hier Stille in Abgeschiedenheit. Wer sonst einsam ist, erlebt hier die Gemeinschaft des Weges und die Geschwisterlichkeit der Pilger. Wer sonst gehetzt ist, lernt hier im Gehen die Langsamkeit. Wer mit dem Kopf durch die Wand will, läuft sich hier Blasen. Wer eine innere Leere empfindet, trifft auf gute Gespräche und geistliche Impulse. Wer misstrauisch und ängstlich ist, trifft hier auf Gastfreundschaft in den Herbergen am Weg.
|